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Wärmepumpe bei Minusgraden funktionstüchtig?

  • hubertushausotter
  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Beitrag von Dr.-Ing. Hubertus Hausotter, Erneuerbar Wohnen 4M GmbH


Unseren Lesern, Kunden und Partnern wünschen wir ein erfülltes, gesundes und energieeffizientes Jahr 2026. Nach einem ereignisreichen Vorjahr blicken wir optimistisch auf die kommenden Herausforderungen der energetischen Gebäudesanierung und zeigen, wie Wärmepumpen auch im Winter zuverlässig arbeiten.



Jahresrückblick: Vielfalt der Projekte 2025


2025 umfasste unsere Beratung ein breites Spektrum: von Reihenhäusern und Doppelhäusern über Einfamilienhäuser bis zu WEGs mit 9–12 Einheiten. Jede Analyse wurde individuell auf Gebäudezustand, Nutzung und Wirtschaftlichkeit abgestimmt.


Besondere Schwerpunkte lagen auf Dachdämmungen mit Baubegleitung und Wärmepumpenplanungen im Würmtal und dem Münchner Umland sowie auf diversen individuellen Sanierungsplänen für Projekte in München und dem Landkreis Starnberg. Die Vielfalt der Projekte zeigt: Energieeffizienz erfordert maßgeschneiderte Lösungen – Standardmaßnahmen reichen oft nicht aus, um eine dauerhaft hohe Jahresarbeitszahl (JAZ) bei Wärmepumpen zu erzielen.


Der Mythos: Wärmepumpe nur bei mildem Klima


„Heizt die Wärmepumpe bei Minusgraden noch effizient?“ – diese Frage begegnet uns häufig in Erstberatungen, gerade nach längeren Frostphasen. Wärmepumpen, die fachgerecht geplant und ausgelegt sind, arbeiten auch bei winterlichen Temperaturen zuverlässig und decken den Großteil der Heizlast, ohne dass dauerhaft auf den elektrischen Heizstab zurückgegriffen werden muss.​


Die Erfahrung aus Bestandsgebäuden zeigt: Entscheidend für die Effizienz einer Wärmepumpe bei Minusgraden ist nicht eine einzelne Kennzahl, sondern das Zusammenspiel aus richtiger Dimensionierung, geeigneter Wärmeverteilung (z. B. Fußbodenheizung oder ausreichend große Heizkörper), sorgfältigem hydraulischem Abgleich und sinnvoll gewählten Vorlauftemperaturen. Wenn diese Punkte passen und das Gebäude zumindest in wesentlichen Bereichen energetisch verbessert ist, widerlegt die Praxis den verbreiteten Mythos, Wärmepumpen seien nur für milde Winter geeignet – sie können auch bei anhaltendem Frost ein komfortables und zugleich wirtschaftliches Heizen ermöglichen.



📊Technische Realität: COP-Werte bei Frost


Der COP-Wert beschreibt die Effizienz einer Wärmepumpe als Verhältnis von erzeugter Heizleistung zu verbrauchtem Strom. Hersteller testen typischerweise unter optimalen Laborbedingungen – milde Außentemperaturen und niedrige Vorlauftemperaturen –, während der tatsächliche Hausbetrieb deutlich anspruchsvoller ist.


Effizienzverlauf im Jahresbetrieb:

  • Milde Bedingungen: Höchste Wirkungsgrade, nahezu kein Heizstab nötig

  • Leichte Minustemperaturen: Sehr gute Effizienz, minimale elektrische Unterstützung

  • Moderate Kälteperioden: Solider Betrieb, Heizstab ergänzt bei Bedarf

  • Starke Frostphasen: Reduzierte Spitzenleistung, elektrische Abdeckung steigt

  • Extreme Winterlagen: Heizstab übernimmt Spitzenlasten


Moderne Inverter-Wärmepumpen passen ihre Leistung dynamisch an die aktuelle Witterung an. Längere Betriebszyklen und geringere Stromspitzen erhöhen die Wirtschaftlichkeit. Auch bei längeren Kälteperioden bleibt die Wärmepumpe in der Regel der Hauptenergieträger – der elektrische Heizstab dient lediglich der kurzfristigen Spitzenlastabdeckung.


Die Jahresarbeitszahl (JAZ) bildet den entscheidenden Wirtschaftlichkeitsindikator ab. Sie aggregiert die Effizienz über alle Jahreszeiten – die hervorragenden Sommer- und Übergangswerte gleichen winterliche Einbußen aus. Fachgerechte Systemplanung (Dimensionierung, hydraulischer Abgleich, Vorlauftemperatur) ist entscheidend, damit die Wärmepumpe auch bei winterlichen Temperaturen wirtschaftlich bleibt.



🔊Wärmepumpe bei Minusgraden: Lärmschutz ab 2026


Ab dem 1. Januar 2026 gelten bei der KfW-Heizungsförderung verschärfte Regeln zum Lärmschutz: Luft-Wasser-Wärmepumpen sind nur dann förderfähig, wenn das Außengerät mindestens 10 Dezibel unter den Schallgrenzwerten der EU-Ökodesign-Verordnung (2013) liegt. Diese Regel gilt für alle Anlagen, deren Förderantrag ab 2026 gestellt wird – unabhängig vom tatsächlichen Einbaudatum.

Wichtiger Hinweis: Diese Verschärfung steht unabhängig von der diskutierten GEG-Novelle und wurde bereits am 29. Dezember 2023 in der BEG-Richtlinie unter Punkt 3.4.5 "Geräuschemissionen" festgelegt. Bisher (bis 2025) reichten 5 dB Unterschreitung – die Anforderung wurde verdoppelt.


Was das konkret bedeutet:

  • Schallleistungspegel (LWA) des Außengeräts entscheidet

  • Herstellerdatenblatt liefert die Werte

  • BAFA-WEP-Liste zeigt förderfähige Modelle


Praktische Konsequenz für Planer: Frühzeitige Modellauswahl ist entscheidend. Die Regel betrifft ausschließlich die Förderfähigkeit, nicht die baurechtliche Zulässigkeit (TA Lärm bleibt gültig). Eigentümer sollten LWA-Werte vor Antragstellung prüfen und sich beraten lassen.



Wärmepumpe bei Minusgraden


🏠 Bestandsgebäude: Optimierung ohne Großsanierung


Alte 60er/70er-Häuser mit Heizkörpern stellen besondere Anforderungen. Vollsanierungen sind oft wirtschaftlich nicht sinnvoll. Drei bewährte Hebel zeigen in der Praxis den größten Effekt:


  1. Hydraulischer Abgleich (+0,3–0,5 JAZ)Temperaturunterschiede zwischen Räumen ausgleichen, Vorlauftemperatur von 60 °C auf 40 °C senken → Effizienzsteigerung der Wärmepumpe um bis zu 20 %.

  2. Heizkörper-Optimierung + Pufferspeicher

    • Vorlauf 35–45 °C durch Thermostat-Upgrade

    • Puffer 200–400 l für lange Zyklen bei Kälte

    • Smart-Regelung mit Nachtabsenkung

  3. Selektive Hüllenmaßnahmen

    • Fenster U-Wert <1,3 W/m²K priorisieren

    • Dachdämmung 15–20 cm

Praxisbeispiel Gräfelfing (1972, 140 m²): Vorher: Ölheizung, 55 °C Vorlauf Nachher: Luft-WP + hydraulischer Abgleich + 100 l Puffer Ergebnis: JAZ 3,2 bei -12 °C Außentemperatur, Heizstab <5 %.



⚙️ Systemplanung: Die 4 entscheidenden Säulen


  1. Heizlastberechnung (DIN EN 12831) Dimensionierung für München bei -15 °C Außentemperatur (99 % Sicherheitsniveau). Lüftungswärmeverluste einbeziehen, Sicherheitszuschläge maximal 10 %.


  2. Vorlauftemperatur-Management Heizkörper: 35–45 °C; Fußbodenheizung: 28–35 °C. Mischsysteme möglich. Niedrige Vorläufe erhöhen die COP-Werte.


  3. Elektroanschluss und PV-Kopplung 3×400 V / 63 A für Geräte >8 kW. Photovoltaik 5–8 kWp steigert Eigenverbrauch auf 60–70 %, reduziert Heizstab-Kosten.


  4. Schallschutz-Konzept 3 m Abstand zum Nachbargrundstück, Schwingungsdämpfer unter Außengerät, Nachtmodus. Frühzeitige Klärung entscheidet über Förderfähigkeit ab 2026.



💬 FAQ: Häufigste Fragen aus der Beratungspraxis


❄ Heizt die Wärmepumpe bei -20 °C allein? Ja – bei fachgerechter Planung COP >2,0. Heizstab maximal 15–30 Minuten täglich bei Spitzenlast. JAZ bleibt über 3,0.

🔊 Wie prüfe ich den Geräuschpegel für die Förderung? LWA aus Datenblatt mit BAFA-WEP-Liste vergleichen. Frühzeitige Auswahl vermeidet spätere Probleme.

🔧 Brauche ich neue Heizkörper? Nein – 80–90 % der vorhandenen Heizkörper reichen bei 40 °C Vorlauf. Austausch nur bei kleinen oder defekten Geräten.

📏 Welche Außentemperatur für München dimensionieren? -15 °C (99 % Sicherheitsniveau). Exponierte Lagen ggf. -20 °C. Überdimensionierung erhöht Kosten und senkt JAZ.

💰 Wann lohnt der Heizstab? Unter 10 % der Jahresbetriebsstunden. PV-Kopplung minimiert Stromkosten. Heizstab dient nur zur Spitzenlastabdeckung.


Bei korrekter Planung unter 10% der Jahresbetriebsstunden. PV-Kopplung mit 5-8 kWp minimiert die Stromkosten. Der Heizstab dient der Spitzenlastabdeckung, nicht als Hauptheizung.



✅ Fazit: Fachgerechte Planung besiegt Winterzweifel


Wärmepumpen meistern deutsche Winter zuverlässig. Moderne Invertertechnik kombiniert mit hydraulischem Abgleich, Pufferspeicher und smarter Regelung liefert JAZ >3,0 auch bei -15 °C Außentemperatur.

Neue Lärmschutzanforderungen ab 2026 erfordern frühzeitige Planung, ändern aber nichts am grundsätzlichen Funktionsprinzip. Luft-Wasser-Wärmepumpen bleiben die effizienteste Lösung für Bestandsgebäude – auch ohne teure Vollsanierungen.

Kernbotschaft: Einzelmaßnahmen wie hydraulischer Abgleich und Pufferspeicher steigern Effizienz um 15–25 %, selbst rückwirkend. Vor jeder WP-Planung sollten Heizlastberechnung und Geräuschpegel von einem Energieeffizienz-Experten geprüft werden. Die Wärmepumpe ist eine ganzjährig zuverlässige Technologie – richtig geplant.


Quellen


Dr.-Ing. Hubertus Hausotter Energieeffizienz-Experte (dena) Erneuerbar Wohnen 4M GmbH, München


Quellenhinweise:



Vorstellung der Erneuerbar Wohnen 4M GmbH

Dr.-Ing. Hubertus Hausotter, Ihr Energieeffizienz-Experte

Die Erneuerbar Wohnen 4M GmbH unterstützt Sie persönlich und professionell bei jedem Schritt zur Verbesserung der Energieeffizienz Ihres Wohngebäudes – von der ersten Beratung bis zur erfolgreichen Umsetzung. Dr.-Ing. Hubertus Hausotter, Gründer und Geschäftsführer der Firma, ist zugelassener Energieeffizienz-Experte bei der Deutschen Energie-Agentur (dena).


Lassen Sie uns gemeinsam die passende Lösung für die energetische Optimierung Ihres Wohnhauses finden und die Energiezukunft nachhaltig gestalten.



Gerne für Sie da


Als Ihr Energieeffizienz-Experte unterstütze ich Sie dabei, die energetische Qualität Ihres Gebäudes zu analysieren und gezielt zu verbessern. Durch eine fachgerechte Begutachtung werden energetische Schwachstellen identifiziert. Auf Basis dieser Analyse empfehlen wir konkrete Schritte zur Optimierung der Energieeffizienz und begleiten Sie durch alle relevanten Phasen – auch bei der Beantragung möglicher Fördermittel.


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